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Barmherzigkeitssonntag und Weißer Sonntag

Kommentar zum 2. Ostersonntag Jahres A - Soeur Danièle Faltz (12.04.2026)

Die Begegnung von Thomas mit Jesus am 2. Ostersonntag ist uns allen bekannt und kann uns auch helfen, mit unseren eigenen Fragen und Zweifeln umzugehen.

Thomas stellt eine Bedingung um an den Auferstandenen zu glauben: er möchte seine Wunden berühren, sogar seine Hand in die Wunde seiner Seite legen. Erstaunlicherweise geht Jesus auf diese Bedingung ein, und lädt ihn zu dieser Berührung ein. Doch Thomas berührt Jesus nicht, sondern spricht gleich, tief ergriffen, sein sehr persönliches und wesentliches Glaubensbekenntnis: Du bist mein Herr und mein Gott!

Worauf Jesus ihm antwortet: weil Du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Ich lese in diesem Satz einen leisen Vorwurf: Thomas, Du hättest auch glauben können, ohne zu sehen. Womit dem Thomas, und besonders uns, die entscheidende Frage gestellt ist: woran machen wir unseren Auferstehungsglauben fest, wir, die wir nicht sehen und doch glauben, oder glauben möchten?

Auf diese Frage muss jeder seine persönliche Antwort geben. Thomas z.B. hätte seinen Freunden glauben können, als sie ihm von ihrer ersten Begegnung mit dem Auferstandenen erzählt haben. Weshalb er es nicht getan hat, bleibt sein Geheimnis. Auch für uns kann das Zeugnis anderer Christen ein überzeugendes Argument sein, sich für die Botschaft des Evangeliums offen zu halten und so nach und nach in eine lebendige Beziehung zu Christus hineinzuwachsen.

Aber letztlich kann ich meinen Auferstehungsglauben nur an Jesus Christus selbst festmachen. Nicht an den eher seltenen Erscheinungen nach seinem Tod, sondern an seinem ganzen Leben und besonders an seinem Sterben.

Denn Jesus ist gestorben, weil er einen Gott verkündete, dem das Leben der Menschen, aller Menschen, heilig ist. Ein Gott, der den Menschen lebendig will, lebendig und frei, ein Gott, der allen Menschen eine ewige Liebesbeziehung anbietet. Die Geschichte vom Vater, der auf seinen verlorenen Sohn wartet, lässt uns den Gott erahnen, von dem Jesus spricht, den Gott, der nur Liebe ist, Liebe, die sich ausdrückt im Respekt der Freiheit des Einzelnen, im steten Verzeihen, in seiner Sehnsucht nach Beziehung,. Um diesen Gott zu bezeugen, gab Jesus sein Leben hin.

Dieses Gottesbild passte nicht in die offizielle jüdische Theologie seiner Zeit, und wir müssen es zugeben, auch nicht immer in die offizielle Theologie der Kirche. Aber Jesus hielt daran fest, und deshalb musste er sterben.

Dieser Gott, der für uns in Jesus sichtbar wird, kann den Menschen Jesus nicht dem Tod überlassen. Er will das Leben; die Liebe, die den Vater und den Sohn verbindet, überwindet den Tod. Auch wenn wir in der Liturgie den Tod Jesu am Karfreitag und seine Auferstehung am Ostersonntag feiern, sind sie ein einziger Moment. Im Moment seines Todes geht Jesus in die ewige Liebe des Vaters ein.

Mein Osterglaube ist also verankert im Leben, in der Lehre und im Sterben Jesus, des Christus. Nicht in einem einzelnen Moment, sondern in der ganzen Ausrichtung, in seiner Art den Menschen zu begegnen, in seinem intensiven Kontakt mit Gott, den er Vater nennt, in seiner freien Bereitschaft für seine Überzeugung zu sterben.

Mir scheint, dies hat Maria, die Mutter Jesu, sehr gut verstanden. Sie stand unter dem Kreuz, sie ist nicht daran zusammengebrochen, und sie brauchte keine Erscheinung des Auferstandenen. Unter dem Kreuz hat sie verstanden, wie Tod und Leben zusammenhängen und wie der Gott der Lebenden seinem Sohn durch den Tod die ewige Gemeinschaft der Liebe öffnet. Aus dieser Überzeugung entspringt auch ihr Magnificat.

Wenn wir, wie Jesus, unseren Glauben an den Gott des Lebens überzeugend im Dienst für alle Menschen leben, können wir vielleicht Anregung sein im Umgang mit der Frage, die jeden Mensschen irgendwann beschäftigt: was kommt nach dem Tod? Der Gott, an den Jesus glaubte, an den ich glaube, wird meine ganz persönliche Identität nicht dem Tod überlassen, sondern mich, und alle Menschen, in seiner ewigen Liebe willkommen heißen.

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