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800 Jahre Franz von Assisi

Brückenbauer für den Frieden.

Wer sehnt sich nicht nach Frieden angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt? Er ist nicht selbstverständlich, sondern zerbrechlich, fast mutet er uns unerreichbar an.

Was können wir tun, und was kann uns jemand dazu sagen, der schon 800 Jahre tot ist? Tot? Von wegen! Die Themen, die Franz von Assisi zu Beginn des 13. Jahrhunderts beschäftigen, sind überraschend aktuell, besonders die Frage von Krieg und Frieden und nach dem Umgang mit der Schöpfung. Dabei tat der kleine, arme Bruder nichts anderes, als Jesus Christus nachzufolgen und das Evangelium als seine Lebensnorm zu wählen und zu leben. Seine Spiritualität ist damals wie heute ein Gegenentwurf zu globalen Machtspielen.

Franz kennt diese und erfährt die Schrecken des Krieges am eigenen Leib. Nach dem Feldzug seiner Heimatstadt Assisi gegen die Nachbarstadt Perugia, an dem er teilnimmt, gerät er ein Jahr in Gefangenschaft. Seine Begegnung mit dem Aussätzigen – er überwindet den Ekel und umarmt ihn – prägt Franziskus Bild vom Menschen und dessen nicht verhandelbarer Würde. Die Geschichte vom Wolf von Gubbio zeigt mit ihrem Interessensausgleich zwischen dem Wolf und den Bürgern, wie entscheidend Gerechtigkeit für den Frieden ist. Zudem lässt sich die Begegnung mit dem Wolf als innerer Kampf mit den eigenen dunklen Seiten deuten. Franz wird zum Friedensstifter. Er geht auf den Sultan zu, nicht als Gegner, sondern als Bruder. Er sucht nicht Sieg, sondern Begegnung und wird zum Brückenbauer.

Heute arbeiten Franziskanerinnen und Franziskaner und viele franziskanisch gesinnte Menschen in zahlreichen Friedensinitiativen und im interreligiösen Dialog weltweit. In Assisi treffen sich Religionsführer der Welt zum Gebet um Frieden. Bereits seit den 80-er Jahren hat „Franciscans International“ – eine von franziskanischen Ordenschristen gegründete NGO – einen Sitz bei der Uno und dort den „Generellen Beraterstatus der ersten Kategorie“.

Welch eine Wirkungsgeschichte! Dabei war Franz kein Held, er war ein Mensch, der sich von Gott finden ließ, gerade darin liegt seine Größe. Nicht Machtgier, sondern Hingabe, nicht Besitz, sondern Freiheit, nicht Erhabenheit, sondern Dienst am Bruder, an der Schwester, an der Schöpfung sind Franziskus Richtschnur. Er baut Brücken durch Begegnung, durch Zuhören und Präsenz. Er macht die Menschen an den Rändern der Gesellschaft sichtbar, deckt Ungerechtigkeiten auf, packt selbst an, wo er gebraucht wird.

Franziskus will mit uns Menschen von heute ins Gespräch kommen. Wer für den Frieden wirken will, muss den Frieden zuerst im eigenen Herzen tragen. Wer innerlich zerrissen ist, kann keinen Frieden bringen. Franz mahnt seine Brüder, sich nicht über andere zu erheben, niemand zu verurteilen und allen Respekt zu zollen. Er ermutigt uns, nach vorne zu schauen und immer wieder neu anzufangen.

Wir Franziskanerinnen stellen uns zusammen mit unseren Mitarbeitenden diesem Anspruch durch unser Engagement in Kirche und Gesellschaft, durch unsere Orientierung am Evangelium, durch unsere Präsenz. Wir tun es als Schwestern von Mutter Franziska, unserer Stifterin, die uns bis heute ermutigt: „Nie soll es Euch gereuen, gut gewesen zu sein.“

„Der Herr gebe dir den Frieden!“ Mit diesem Gruß sollen seine Brüder – laut Franz – alle Menschen grüßen, denen sie begegnen. In diesem Sinne:

Pace e bene!

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