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Europas Auftrag: Recht, Gerechtigkeit und Frieden

CSV-Fraktion startete am 13. Oktober mit einem Gottesdienst in der Méchelskierch in die neue parlamentarische Session.

CSV-Fraktion startete am 13. Oktober mit einem Gottesdienst in der Méchelskierch in die neue parlamentarische Session. Im Gottesdienst stellte Generalvikar Patrick Muller die christlichen Wurzeln Europas und die Friedensvision Robert Schumans in den Mittelpunkt. Seine Predigt verband die biblische Botschaft von Recht, Gerechtigkeit und Frieden mit der aktuellen Verantwortung der europäischen Politik.

In seiner Predigt erinnerte der Generalvikar an den jüngsten Papstbesuch in Metz und die dort gewürdigte Person Robert Schumans. In den Reden des Papstes habe der Frieden als zentrale Aufgabe Europas immer wieder eine herausragende Rolle gespielt. Der Generalvikar fand dieselbe Botschaft in der ersten Lesung des Tages aus dem Buch Jesaja (Jes. 32,15–18). Der Prophet kündigt das Kommen des Gottesreiches mit drei Begriffen an: Recht, Gerechtigkeit und Frieden.

Für das Recht steht das Bild der Wüste. Es eröffnet dem Menschen einen Weg aus der Orientierungslosigkeit und macht gangbare Wege sichtbar. Die Gerechtigkeit erscheint als Garten, in dem Leben wachsen und Frucht tragen kann. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass Menschen ihr Leben nach Gottes Willen gestalten können. Der Frieden schließlich wird im Bild des Hauses greifbar. Ein Haus entsteht nur, wenn Menschen zusammenarbeiten, ihre Fähigkeiten einbringen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Frieden ist deshalb weit mehr als die Abwesenheit von Krieg: Er lebt von Liebe, Gemeinschaft und gegenseitiger Achtung. Diese drei biblischen Leitbegriffe sind zugleich das Fundament jener europäischen Vision, für die Robert Schuman eingetreten ist. Recht, Gerechtigkeit und Frieden – darin liegt nicht nur ein religiöses Ideal, sondern auch ein politischer Auftrag.

Der Generalvikar griff einen zentralen Gedanken aus den jüngsten Äußerungen des Papstes in Metz auf: Europa sei nicht bloß eine geografische Größe, sondern eine historische und kulturelle Gemeinschaft. Geprägt worden sei seine Identität durch die griechische, römische, jüdische und germanische Kultur – und wesentlich durch das Christentum.

Die griechische Kultur habe Europa die Demokratie hinterlassen. Doch die antike Demokratie kannte keine Gleichheit aller Menschen: Sklaven waren vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Erst die christliche Vorstellung, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist, setzte dem eine andere Sicht entgegen und lieferte einen entscheidenden Impuls für die Idee der universellen Menschenwürde und Gleichheit.

Für Europa bedeutet das, sich seiner geistigen Wurzeln bewusst zu bleiben, ohne sich in der Vergangenheit einzurichten. Wer seine Werte bewahren will, muss sie in der Gegenwart verteidigen und für die Zukunft fruchtbar machen. Gerade die Friedensfrage zeigt, wie dringend dieser Auftrag ist.

Frieden braucht schöpferischen Mut

Zum Schluss zitierte Patrick Muller Robert Schuman aus dessen historischer Erklärung vom 9. Mai 1950:« La Paix mondiale ne saurait être sauvegardée sans des efforts créateurs à la mesure des dangers qui la menacent. »Schumans Botschaft ist heute von beklemmender Aktualität: Frieden entsteht nicht allein dadurch, dass Konflikte eingedämmt und mögliche Kriege vorbereitet werden. Er verlangt neue Ideen, politischen Mut und konkrete Schritte, die Verständigung ermöglichen und Zusammenarbeit stärken.

Auch Papst Franziskus hatte bei seinem Besuch in Luxemburg 2024 mit seinem Appell « N’ayez pas peur de mettre des enfants au monde » – ein Zeichen der Hoffnung gesetzt. Die Zukunft nicht preiszugeben, sondern sie aktiv zu gestalten: Auch darin liegt eine Absage an Angst und Resignation.

Daraus ergab sich die Frage, die der Generalvikar  den politischen Verantwortungsträgern mit auf den Weg gab: Unternehmen wir tatsächlich genügend schöpferische Anstrengungen, um den Frieden zu fördern? Oder beschränken wir uns darauf, die Ausbreitung des Krieges einzudämmen und uns mit Aufrüstung auf weitere Konflikte vorzubereiten?

Mit dieser Mahnung entließ der Generalvikar die CSV-Abgeordneten in die neue parlamentarische Session. Unter den Teilnehmern waren u.a. Staatsminister Luc Frieden, Claude Wiseler, Präsident der Abgeordnetenkammer, und CSV-Fraktionschef Laurent Zeimet sowie aktive und ehemalige Minister, darunter auch die frühere luxemburgische EU-Kommissarin Viviane Reding.

Der Gottesdienst war damit mehr als ein feierlicher Auftakt zum parlamentarischen Arbeitsjahr. Er erinnerte daran, dass Frieden weder selbstverständlich ist noch allein durch militärische Stärke gesichert werden kann. Er braucht Recht, Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Robert Schumans Vision bleibt deshalb weit mehr als ein europäisches Gründungsdokument: Sie ist ein Auftrag an die Politik von heute.

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